Warum der Bock nicht bockt

Kolumne von Patrick Furrer, journalistischer Mitarbeiter des Bieler Tagblatts

Sozialdirektor Beat Feurer ist ein SVP-Politiker und gerät genau deshalb auf die Abschussliste. Im Gemeinderat, beim Sozialamt und beim Personalverband dominiert schliesslich linkes Gedankengut. Also verbündet man sich, um den Bock, den man zum Gärtner gemacht hat, mit einer Administrativuntersuchung abzuschiessen. So jedenfalls lautete diese Woche das Fazit der «Weltwoche». Auch andere Medien sprangen auf den Zug auf, der seit zweieinhalb Wochen ungebremst durch das Bieler Sozialamt rast. Es gehe um politische Scharmützel. Keinesfalls darum, dass Feurer seit Amtsantritt bei mehreren Geschäften keine überzeugende Figur gemacht hat.

Sicher. Feurer hat im Gemeinderat keinen einfachen Stand. Er müsste sich über diese plötzliche Unterstützung also eigentlich freuen. Stattdessen verschickte er am Mittwoch eine Stellungnahme, die auf den ersten Blick diametral in eine andere Richtung geht: Durch die Medienberichte sei der Eindruck erweckt worden, dass der Gesamtgemeinderat ihn unzureichend unterstützen, ja möglicherweise sogar in seiner Arbeit behindern und blockieren würde. Dabei wolle er doch auch in Zukunft «in transparenter und sachlicher Weise» mit den Kollegen zusammenarbeiten.

Was hat dieser vermeintliche Wandel zu bedeuten? Lässt sich Feurer von den Exekutivkollegen – allen voran SP-Stadtpräsident Erich Fehr – auf der Nase rumtanzen? Setzen sie ihn derart unter Druck, damit er sich am Ende noch selber schadet? Schon wieder politische Scharmützel?

Bleiben wir bei den Tatsachen. Die Realität lässt sich nicht auf einige wenige Fragen oder Vermutungen beschränken. Dass Feurer eine Stellungnahme für angebracht hielt, darf nicht überraschen. In der Exekutive gilt das Kollegialitätsprinzip. Würde er sich nicht daran halten, könnte er genauso gut den Rücktritt erklären. Das wäre viel unmittelbarer und riskanter, als eine Untersuchung abzuwarten, über deren Resultate noch nicht das Geringste bekannt ist. Konkrete Vorwürfe gibt es nicht, erst recht keine bewiesenen. Natürlich reizt es den angeschossenen Sozialdirektor, mehr zu sagen. Dass er es aber nicht tut, ist kein Zeichen von Schwäche. Das wäre es erst, wenn er mit konkreten Vorwürfen konfrontiert würde, die er nicht mehr auf sich sitzen lassen könnte.

Zur komplexen Realität gehört auch, dass Sozialamtchefin Beatrice Reusser tatsächlich ihre Probleme mit dem neuen Chef hat – und sich vor allem nicht scheut, diese zu äussern. So lange, bis Feurer der Kragen platzt und er sich von ihr trennen will. Doch bevor der Gesamtgemeinderat über die Kündigung entscheiden kann, kommen die Vorwürfe gegen Feurer und Sekretär Patrick Nyfeler auf, und das Geschäft wird zurückgestellt. Reusser kann bleiben. Nyfeler muss um seinen Job bangen und Feurer um seinen Gehilfen, der manche Schwäche ausgleicht, aber auch eigene Schwächen mitbringt. Es wäre sicher naiv, anzunehmen, dass politische Couleurs in der ganzen Diskussion keine Rolle spielen. Die entscheidende dürfte es nicht sein.

Die Sozialhilfequote von Biel ist im letzten Jahr erneut von 11,4 auf 11,7 Prozent gestiegen. Das ist das Einzige, was seit dieser Woche wirklich gewiss ist.

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