Wie wichtig ist das Leben von Migranten?

Bildergebnis für flüchtlinge auf mittelmeer

Menschen verlassen ihre Heimat aus unterschiedlichsten Gründen: Krieg, Verfolgung, Naturkatastrophen oder auch aufgrund des Wunsches nach einem besseren Leben. Das Versprechen eines besseren Lebens wird oft mit den Kontinenten Europa und Nordamerika verbunden. Gemäss einem Bericht der «Welt» vom März dieses Jahres hat die zweite Phase der Migration längst begonnen. [1]„Wir tun alles, um ins Paradies zu kommen“, sagen werdende Mütter, junge Paare und Unverheiratete, die ihre Heimat Kamerun, Nigeria, den Senegal oder Ghana verlassen haben. In Marokko sind es etwa 50.000 und in Libyen über 400.000, die auf den Sprung übers Mittelmeer in ein besseres Leben warten.

Laut Angaben von Eurostat, der Statistikagentur der EU, beantragten zwischen 2014 und 2017 beinahe eine Million Bewohner der Länder südlich der Sahara Asyl in Europa. In Berlin, Rom, Paris und London mag sich das Augenmerk der Öffentlichkeit derzeit auf muslimische Einwanderer richten. Jedoch stehen Afrikaner in den Migrationsstatistiken wieder an vorderster Stelle. Und das wird auch in den nächsten Jahren noch so bleiben, wie eine aktuelle Studie des renommierten amerikanischen PEW-Instituts zeigt. Sie hat in fünf der zehn subsaharischen Ländern nachgefragt, aus denen die meisten der afrikanischen Migranten in Europa stammen. Während zwischen 50 bis 75 % am liebsten bevorzugt in die USA oder nach Europa auswandern würden, hat ein Teil von ihnen auch schon ganz konkret den Plan gefasst: Rund 40 Prozent im Senegal, in Ghana und Nigeria wollen in den nächsten fünf Jahren weg. In Südafrika und Kenia sind es um die 20 Prozent und im Fall von Tansania bislang nur acht Prozent, die ihr Glück schon bald im Ausland versuchen wollen.

Auf den ersten Blick mag das wenig signifikant klingen. Aber in den subsaharischen Ländern leben insgesamt 1,1 Milliarden Menschen. Nimmt man an, dass sich nur zehn Prozent zur Migration nach Europa entschließen, dann wären das immer noch 110 Millionen Menschen. Und die Bevölkerung wächst dort bei Geburtsraten von bis zu sieben Kindern, rasend schnell.

Die vorliegenden Zahlen zeigen eindrücklich, dass die Menge an migrationswilligen Menschen in Afrika sehr hoch ist. Misswirtschaft und politische Verantwortungslosigkeit in den Herkunftsländern spielen dabei eine massgebliche Rolle. Das Bruttoinland-Produkt (BIP) pro Kopf betrug in den Jahren 1980 bzw. 2016  in Doller für Kamerum 1‘323 / 1‘495, Nigeria 1‘957 / 2‘456, Senegal 886 / 1‘092,  Ghana 908 / 1‘708, Niger 514 / 391.  Im Vergleich dazu die Schweiz: 54‘891 / 76‘694.

Der Druck zur Flucht ist also real und bleibt bestehen. Allerdings ist ein solcher Plan auch teuer. Je nach Ausgangsort, gewählter Route und Transportmitteln ist eine solche Flucht im günstigsten Fall ab CHF 8’000, meist aber ab CHF 15’000 bist weit über 20’000 zu haben – pro Person(!) bei ungewissem Erfolg….. Nicht selten kommt es vor, dass Migranten das «Ticket» in den goldenen Westen gleich mehrere Male bezahlen müssen. Die stark im Fluchtbusiness involvierte Mafia und Hasardeure ziehen die verzweifelten Menschen gerne über den Tisch, denn Konsequenzen hat dies kaum einmal.

Dieser «Sprung ins Paradies» führt wie angeführt oft übers Mittelmeer. Die tödlichste Fluchtroute der Welt[2]. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) teilte Anfang Juni in Genf mit, dass [3]die Flucht über das Mittelmeer nach Europa für Migranten immer gefährlicher werde. Zwar sei die Zahl der Fliehenden in diesem Jahr deutlich gesunken – allerdings steige das Risiko für die Flüchtlinge, bei der Überfahrt auf dem Meer zu sterben.

Statistisch gesehen sei im ersten Halbjahr 2017 einer von 38 Flüchtlingen auf der zentralen Mittelmeerroute ums Leben gekommen, sagte UNHCR-Sprecher Charlie Yaxley. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres sei es bereits einer von 17 gewesen – und allein im Monat Juni einer von sieben. Seit Jahresbeginn starben nach UN-Angaben mehr als 1400 Flüchtlinge bei der Fahrt übers Mittelmeer – die meisten von ihnen auf der besonders gefährlichen zentralen Mittelmeerroute von Nordafrika nach Italien oder Malta. In diesen beiden Ländern kamen in der ersten Jahreshälfte 17.000 Migranten an. Im Vorjahreszeitraum waren es noch über 85.000.

Ähnliches Foto

Wie eine solche Flucht aussehen kann, zeigt folgender von der Uno veröffentlichter Erfahrungsbericht der jungen Frau Doaa aus Syrien, welche zusammen mit ihrem Freund Bassem via Nordafrika nach Europa gelangen wollte:

[4]Gemeinsam wurden sie von den Schleppern in ein überfülltes Fischerboot gezwängt. Doch nach drei Tagen auf See glaubte Doaa nicht mehr an eine sichere Ankunft und sagte zu Bassem: „Wir werden alle ertrinken“. Am vierten Tag kam ein verrostetes Boot auf sie zu. Die Passagiere weigerten sich in das seeuntaugliche Boot zu wechseln, woraufhin die wütenden Schmuggler ein Loch in das Fischerboot rammten und lachten.

Innerhalb von Minuten kenterte und sank das Boot. Die 300 Menschen, die unter Deck gefangen waren, hatten keine Chance zu überleben.

„Ich hörte wie Menschen schrien und sah wie ein Kind vom Propeller in Stücke zerrissen wurde“, erinnert sich Doaa. Um sie herum schwammen hunderte Leichen. Die Überlebenden kamen in Gruppen zusammen und beteten. Bassem fand einen Rettungsring für Doaa, die nicht schwimmen kann.

In der folgenden Nacht verloren viele Überlebenden die Kräfte und den Mut. Doaa musste zugucken, wie Männer ihre Rettungswesten abnahmen und ertranken. Einer von ihnen übergab Doaa kurz vor seinem Tod seine 9 Monate alte Enkelin Melek.

Auch Bassem verließen kurz darauf die Kräfte und Doaa musste mit ansehen wie er starb. Trotz unvorstellbarer Trauer nahm sie an diesem Tag ein weiteres Kind auf. Die Mutter der 18 Monate alten Masa gab ihr das Mädchen mit der Gewissheit, dass sie selbst nicht überleben würde.

Doaa war nun für zwei völlig erschöpfte Kinder verantwortlich, sie weinten, hatten Hunger und Durst. Sie sang für die Mädchen und erzählte ihnen Geschichten, ein langer Tag verging, dann ein weiterer. Am vierten Tag im Meer sah Doaa ein Handelsschiff. Zwei Stunden schrie sie um Hilfe, bis die Suchscheinwerfer des Schiffes sie fanden. Melek starb noch an Bord des Schiffes. Doch die kleine Masa hat überlebt.

Solche Tragödien wiederholen sich fast täglich in der einen oder anderen Form auf der tödlichsten Fluchtroute der Welt. Die Bilder erreichen uns fast zu Echtzeit in den heimischen Stuben. Eher selten aber die Frage nach Lösungen und der Abwehr des Milliardengeschäfts. Doch es gibt Lösungen – Australien lebt es vor. Australien hat bereits vor mehreren Jahren die Fluchtroute übers Meer von Indonesien her rigoros unterbunden. Wenn es um Flüchtlinge geht, sind sich in vielen Ländern Regierung und Opposition zumeist nicht einig. Doch in Australien unterstützen sowohl die liberal-nationale Koalition als auch die Labor-Partei, die stärkste oppositionelle Kraft, strengere Asylrichtlinien. Der Weg, den die Flüchtlinge bestreiten, sei gefährlich, von Schleppern kontrolliert und die Politik habe die Verantwortung, das zu beenden. So lautet der Konsens. Und tatsächlich, seit Flüchtlingsboote von Schiffen der australischen Marine systematisch abgefangen und zurückgeschickt werden, tendiert die Zahl der Todesfälle auf hoher See gegen Null.

Ein klares, und konsequent durchgesetztes „Nein“ zur Migration über das Meer rettet also Leben. Somit wäre zu erwarten, dass auch in Europa sich Menschen jeglicher politischer Couleur der positiven Erfahrung Australiens anschliessen und gemeinsam alles unternehmen, um die Fluchtroute über das gefährliche Mittelmeer zu unterbinden. Doch weit gefehlt. Speziell Aktivisten aus dem linken Lager plädieren für alle mögliche Massnahmen, welche das Gegenteil bewirken: nämlich die Attraktivierung dieser an sich gefährlichen Route. So verlocken die vor der Küste kreuzenden EU-Schiffe mehr zur Migration als dass sie diese verhindern. Kommt dazu, dass genau deswegen Fluchtboote eingesetzt werden, welche für eine Meeresüberfahrt vollkommen untauglich sind mit der kalkulierten „Hoffnung“, eines der unzähligen Hilfsschiffe würde schon zur Stelle sein, um die Passagiere gratis und franko zu übernehmen. Dieselbe Wirkung haben die von überall in Europa laut werdenden Rufen, die „Bootsflüchtlinge“ der Moderne mit offenen Armen willkommen zu heissen. Als Schlepper muss man zu den Migranten nur sagen: Fahrt ein paar dutzend km auf See, dort werdet ihr schon aufgenommen und nach Europa gebracht – vielleicht, sofern ihr nicht vorher ertrinkt….

Was ist also zu halten von den politischen Programmen, welche die Türen in Europa weit öffnen wollen? Sie verstärken die Sogwirkung und bewirken damit den Tod von Tausenden. Die viel kritisierten ökonomischen Realitäten in den Ursprungsländern verändern sich damit ebenfalls nicht – im Gegenteil, die Situation dort wird dadurch sogar noch verschärft. Wie kommt es denn zu solchen politischen, eigentlich menschenverachtenden ja todbringenden Forderungen? Unwissenheit, Naivität?

Nicht zu wissen, was sich im und ums Mittelmeer abspielt, dürfte wohl kaum jemand für sich in Anspruch nehmen können. Zweifellos haben aber viele wohlmeinende und um Gerechtigkeit besorgte Menschen, die für eine Politik der offenen Türen einstehen, das Gute vor Augen, den Wunsch nach humanitären Lösungen. Doch muss man angesichts der überwältigenden Tatsachen nicht auch von einer gehörigen Portion Naivität ausgehen? Gutes wollen und das Schlechte bewirken als politische Programm?

Nun, Unbeschwertheit und der Drang, alles zu wissen und das absolut ist sicherlich ein Privileg junger Menschen. Da werden beispielsweise alle Migranten entweder quasi in den Heiligenstand erhoben oder als das Gegenteil desselben betrachtet. Es gehört zum menschlichen Reifungsprozess, mit absoluten Forderungen und Aussagen, die sich dabei aufdrängenden Fragen auf die Seite zu schieben, denn nur allzu oft stehen sie einem idealisierenden Denken im Wege.  Mir ging das nicht anders. Ohne Wenn und Aber war ich der Auffassung, dass die Schweiz als reiches Land sicherer Hafen sein müsse für die Not der gesamten Welt. Die Erkenntnis, dass dies rein schon aus arithmetischer Sicht ein hoffnungsloses, ja verantwortungsloses Unterfangen sei, war mir zwar (zunehmend) bewusst, aber ich schob es lieber auf die Seite, weil mir alternative Antworten entweder nicht passten oder schlichtweg fehlten.

Doch nicht nur junge, idealistische Weltverbesserer werfen mit Pauschalrezepten um sich. Mit Erstaunen kann festgestellt werden, dass eine Politik, welche in ihrer Konsequenz tausende von Menschen in den Tod treibt, bei vielen auch gestanderen Menschen hoch im Kurs ist bis hin zu Politikern auf dem nationalen/internationalen Parkett.

Bei nicht wenigen spielt dabei weder Unwissenheit noch Naivität noch der Wunsch zu echten humanitären Lösungen eine treibende Rolle. Ihnen geht es nur Vordergründig um das Wohl der Migranten. Dahinter liegen kaum kaschiert in Wahrheit knallharte politische Ziele. Es geht um die alte marxistische Maxime, wonach vereinfacht gesagt das Aufbrechen und die Zerstörung unserer kulturellen Werte nötig ist, um den Boden für das Neue (gemeint das sozialistische Paradies) zuzubereiten. Da kommen die geförderte Migration, die Vermischung von Kulturen, das Abbauen von Bekanntem und Liebem und dadurch entstehende soziale Unruhen und Desintegration wie gewünscht. Da ist es Ziel, wenn immer mehr Geld mit meist wenig Wirkung in soziale Programme abgezweigt und damit die Volkswirtschaften geschwächt werden. Da sind Migranten nicht Menschen, für deren Lebensperspektive gesorgt und überlegt werden muss, sondern sie sind nützliche Manipuliermasse für etwas ganz Anderes. Und wenn bei der Verfolgung solcher Ziele Menschen dabei ihr Leben lassen müssen, so wird dies zwar bedauert, muss aber in Kauf genommen werden.

Wie wichtig ist das Leben von Migranten? Für einige eher weniger…..

 

 

[1] https://www.welt.de/politik/ausland/article174796884/Millionen-Fluechtlinge-aus-Afrika-Zweite-Phase-der-Migration-hat-laengst-begonnen.html

[2] https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-08/mittelmeer-fluechtlingsroute-europa-afrika

[3] https://de.nachrichten.yahoo.com/uno-flucht-%C3%BCbers-mittelmeer-f%C3%BCr-migranten-immer-gef%C3%A4hrlicher-155439695.html

[4] https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/fluechtlinge-erzaehlen/doaa-aus-syrien/

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